Wie bereits mitgeteilt, haben die Stadtwerke Hof unter Berücksichtigung des vorliegenden Förderbescheids für das geplante Nahwärmenetz in Jägersruh inzwischen eine finale Projekt-Kalkulation vorliegen – mit dem Ergebnis, dass sich eine Nahwärmelösung für den Ortsteil Jägersruh nicht wirtschaftlich umsetzen lässt. Im Folgenden möchten wir die Bürgerinnen und Bürger in Form eines Fragen-Antwort-Stücks über Details und Hintergründe informieren.
Die Stadtwerke haben für das Nahwärmenetz eine staatliche Förderung beantragt und letztendlich bewilligt bekommen – warum reicht das dennoch nicht aus?
Die Fördermittelstelle hat die eingereichten Unterlagen geprüft und den Stadtwerken eine Förderung von 2,2 Mio. Euro auf der Basis der Zahlen des Jahres 2022 beschieden. Auf dieser Grundlage konnte nun verlässlich kalkuliert werden, welche Kosten auf die potentiellen Anschlussnehmer zukommen würden. An dieser Stelle haben wir mit verschiedenen Parametern kalkuliert und sämtliche Konstellationen geprüft (mögliche Anzahl der Hausanschlüsse, diverse Preisspannen für Heizmittel, unterschiedliche kWh-Abnahmemengen, inflationsbedingte Kostensteigerungen etc.). Egal wie wohlwollend die Berechnungen waren, sie hatten immer ein Ergebnis: Die kalkulierten Grund- und Arbeitspreise wären für den Bürger nicht zumutbar. Dem gegenüber gestellt haben wir die Berechnung für die Installation einer Wärmepumpe und deren Betrieb mit Strom: Auch, wenn die Umrüstung im ersten Schritt teurer erscheint, wird man über die Jahre hinweg mit einer solchen Lösung deutlich günstiger fahren als mit dem angedachten Wärmenetz.
Warum wurde nicht früher über die Unwirtschaftlichkeit berichtet?
Den Stadtwerken ist bewusst, wie aufgebracht manche Hauseigentümer in Anbetracht des Umstands sind, dass für die Umrüstung auf alternative Energie und die eventuelle energetische Sanierung ihres Hauses hohe Kosten anfallen. Hätten die Stadtwerke Zwischenergebnisse kommuniziert ohne gutachterliche Untermauerung oder ohne klare Aussage zum Umfang der Förderung, hätte man die Zwischenergebnisse als Vermutungen abstempeln können. Nun liegen aber mehrfach geprüfte und belegbare Zahlen vor, die jede Diskussion versachlichen.
Warum rechnen sich andernorts in vergleichbaren Gebieten Wärmelösungen?
Hier empfiehlt sich immer ein Blick auf die Rahmenbedingungen vor Ort. Häufig wird Jägersruh beispielsweise mit Regnitzlosau verglichen – hier jedoch gab es bereits eine Biogasanlage. Die Nutzung der hier entstehenden Abwärme als Wärmequelle kann die Kosten für die Energieerzeugung erheblich senken. Die Energie ist bereits vorhanden und muss nicht erst aufwändig produziert werden. Dies führt zu niedrigeren Betriebskosten und macht das Nahwärmenetz wirtschaftlicher. Wenn bereits eine Energiequelle vorhanden ist, kann die Infrastruktur für das Nahwärmenetz vereinfacht werden. Es müssen weniger Investitionen in die Wärmeerzeugung und -übertragung getätigt werden, da die Energiequelle bereits existiert.
In der Pressemitteilung der Stadtwerke wurde angedeutet, dass sich Nahwärmelösungen in Einfamilienhaus-Siedlungen weniger anbieten als in der Innenstadt. Woran liegt das?
In Einfamilienhaus-Siedlungen sind die Gebäude typischerweise weiter voneinander entfernt, was zu einer geringen Nutzerdichte führt. Das bedeutet, dass die Wärme über längere Strecken transportiert werden muss, was den Energieverlust erhöht und die Effizienz mindert. Die Errichtung eines Nahwärmenetzes erfordert erhebliche Investitionen in die Infrastruktur, einschließlich der Verlegung von Rohren und der Installation eines Wärmeübertragungssystems. In Einfamilienhaus-Siedlungen kann die vergleichsweise geringe Anzahl von Gebäuden die Amortisation dieser Kosten erschweren. Nahwärmenetze sind also wirtschaftlicher, wenn sie in Stadtteilen eingesetzt werden, wo die Nutzerdichte höher ist. Wie bereits erwähnt, gibt es auch Fälle, in denen Nahwärmenetze in Einfamilienhaus-Siedlungen erfolgreich implementiert wurden, insbesondere wenn eine sehr hohe Nachfrage und geeignete Rahmenbedingungen gegeben sind. Dies ist in Jägersruh nicht der Fall.
Wurden Alternativen zur Wärmeversorgung mit Holzhackschnitzeln untersucht?
Ja, auch bei alternativen Nahwärmeversorgungskonzepten blieb das grundsätzliche Problem erhalten: Der Umfang der Wärmeabgabe ist für eine zentrale Wärmeversorgung zu niedrig. Eine zentrale Versorgung ist nur dann wirtschaftlich darstellbar, wenn es sich zum Beispiel um ein Neubaugebiet handelt mit Anschlusspflicht für jeden, der neu baut.
Waren die teuren Gutachten der Stadtwerke Hof dann umsonst?
Nein, der Erkenntnisgewinn ist sehr groß. Die Untersuchungen müssen ohnehin für eine kommunale Wärmeplanung vorgenommen werden. Die Ergebnisse der Arbeiten der Stadtwerke Hof fließen nun in die kommunale Wärmeplanung der Stadt Hof ein.
